Basiskonzeption und Projektleitung: Hans-Joachim Gögl – Strategie und KommunikationDesign und Programmierung:Art+Com, BerlinAuftraggeber: Abteilung Wasserwirtschaft im Amt der Vorarlberger Landesregierung
Bereits vor zwei Jahren erging an mich der Auftrag, die Information über den Pegelstand im neuen Hafenareal Bregenz zu gestalten. Das Interesse an den Wasser-Zahlen, Daten und Hintergründe rund um den Bodensee ist in Vorarlberg stark. Die diesbezüglichen hydrographischen Informationen auf der Website des Landes gehören zu den meistfrequentierten. Die aktuelle Wassertemperatur beispielsweise ist alltäglicher Gegenstand des Austausches der Seeanrainer und unserer Gäste.
Zur Kommunikation des Wasserstandes präsentieren wir die aktuellen Messwerte der Luft- und Wassertemperatur sowie Windrichtung und Geschwindigkeit. Die Lösung mit flexibel bespielbaren LED-Säulen ermöglicht uns zudem, in regelmäßigen Abständen Animationen spannender Daten zu zeigen. Wir bringen zwischen der Standardanzeige etwa die Mittelwerte der Temperaturen und Wasserstände aller Tage im Jahr. Es gibt eine Animation über die höchsten historischen Pegelstände am See und eine »Show« über die Entwicklung der Wasserqualität, von den kritischen Phosphorwerten in den 70er Jahren bis zur Trinkwasserqualität heute.
Wichtig war mir eine gute Integration der Lösung in die Architektur des Gebäudes. Das bedeutete eine enge Abstimmung bereits mit den Entwicklern des Masterplanes (ARGE Kuess, Hörburger, Schweizer) sowie eine frühzeitige Einbindung und ständige (hervorragende!) Kooperation mit den Architekten des Gebäudes: ARGE Nägele, Waibel, Ritsch, Spagolla. Der erste konzeptionelle Schritt war ein Studentenprojekt mit dem Studiengang Intermedia der FH Vorarlberg, die die Spannweite möglicher Lösungen zeigten: Von einem Unterwassermuseum im Hafenbecken über Touchscreens im Gebäude bis zu Leuchtturmlösungen am Molo draußen. Eine wichtiger Projektabschnitt, der den zuständigen Beamten und Wasser-Experten in der Landesregierung, die Dimensionen dieses dreidimensionalen Kommunikationsinstrumentariums aufzeigten.
Nach der Entwicklung des Pflichtenheftes machten wir uns auf die Suche nach einem professionellen Partner für Hard- und Software. Gesucht waren Gestalter, die die Spielregeln von Wahrnehmung und Kommunikationsgestaltung im öffentlichen Raum beherrschten und Erfahrung mit Herausforderungen wie wartungsfreier Technik, Softwareschnittstellen zu Messtechnik oder Vandalensicherheit besaßen. Aufgrund meiner Tätigkeit als Programmgestalter der VLOW! verfüge ich über einen Überblick über die deutschsprachige Szene der Mediendesigner im Science-Bereich. Art+Com gehört zu den kundigsten Gestaltern, wenn es um die niederschwellige Vermittlung komplexer Daten etwa in naturwissenschaftlich geprägten Museen geht.
Ein vorläufiger Höhepunkt meiner Karriere (vgl. Musil: Karriere ist etwas für geniale Rennpferde) war ein Leserbrief in der VN-Samstagsausgabe des 8. Mai, in dem der Stadt, den Architekten und der Wasserwirtschaft zu dieser hervorragenden Pegelinformation gratuliert wird. Wenn man bedenkt, dass Leserbriefe fast hundertprozentig defizitorientiert sind, dann ist ein Lob aus dem Landes-Zentrum des Volksmundes wirklich bemerkenswert.
Thomas Blank, Leiter der Wasserwirtschaft, ein innovativer und immer souveräner Auftraggeber, Katharina Vollus und Jussi Ängeslevä von Art+Com für straffe Organisation und treffliches Design sowie Arch. Elmar Nägele und Wolfgang Ritsch für die Detaillierung der Säulen und die um hohe Qualität bemühte Zusammenarbeit.
Fotos © Albrecht Schnabel
Zuletzt geändert von Hans-Joachim Gögl am 27. Mai 2010